Sites of mediation

Ausgrabungen – Die Darstellung von Minen und Ruinen in der niederländischen Landschaftsmalerei des 16. Jahrhunderts

Dissertationsprojekt von Luise Baumgartner, M.A.

assoziiert mit dem ProDoc «Sites of Mediation»
Betreuung: Prof. Dr. Christine Göttler

Meine Dissertation beschäftigt sich mit der künstlerischen Behandlung von Bergwerken und Versatzstücken der Antike im niederländischen manieristischen Landschaftsgemälde. Ziel der Untersuchung ist es, diese beiden Topoi im Kontext der europaweiten humanistischen Geisteskultur der (Spät-)Renaissance zu einer Synthese zusammenzuführen und die Faszination, welche diese Themen auf Künstler und Sammler ausübte, zu erläutern. Dazu sollen einerseits die vielfältigen Bezüge zwischen Metallproduzenten, Warenumschlagplätzen wie der Handelsstadt Antwerpen (und den umliegenden Montanregionen) und berühmten Kunstkammern erörtert und andererseits die Rezeption zeitgenössischer metallurgischer Literatur und deren Bedeutung hinsichtlich der damaligen kulturellen, wissenschaftlichen und moralischen Bewertung der Montanwirtschaft beleuchtet werden. Die Untersuchung wird sich dabei an virulenten Paradigmata wie der Alchemie oder der Dichotomie von artificialia und naturalia ausrichten und ist von der These geleitet, dass sowohl der Bergbau als auch die Erschliessung antiker Ruinen und anderer archäologischer Fundstücke als wissensgeschichtlich hoch bedeutsame Momente in einem engen Sinnzusammenhang stehen und als Aspekte des gleichen Erkenntnisinteresses – welches danach trachtet, Bodenschätze und antike Reminiszenzen als ,Ablagerungen’ von Erd- und Menschheitsgeschichte gleichermassen zutage zu fördern – zu interpretieren sind.

Das zu untersuchende Bildcorpus umfasst Gemälde von Herri met de Bles, Lucas Gassel und der Malerfamilie van Valckenborch, um nur einige zu nennen. Als Ergänzung beziehungsweise zum Vergleich und als Referenz werden zudem Werke von Andrea Mantegna, Hans Holbein d. J. oder Herman Posthumus herangezogen. Als ein Beispiel für die Verschmelzung der zwei genannten Sujets in einer idealisierten Landschaft wäre etwa die Landschaft mit einer Saturnstatue vor einer Schmiede (letztes Viertel des 16. Jahrhunderts) zu nennen, die Hendrick III. van Cleve zugeschrieben wird.