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Ernst von Österreich und die Kunst der Spanischen Niederlande: Die triumphalen Einzüge, die erzherzogliche Sammlung, das Grabmonument

Dissertationsprojekt von Ivo Raband, M.A.

Teilprojekt im Forschungsmodul 2
"Erfinder neuer Dinge" - Zur Verflechtungsgeschichte
der Künste in Antwerpen um 1600

 

Erzherzog Ernst von Österreich (1553–1595), zweiter Sohn Kaiser Maximilians II. und Bruder Rudolfs II., wurde 1593 von Philipp II. zum Statthalter der Spanischen Niederlande ernannt. Nachdem er in den Jahren zuvor bereits Innerösterreich regierte, zwei Mal Kandidat für den polnischen Königsthron war und erfolgreich in Ungarn gegen die Türken gekämpft hatte, wurde ihm mit der Regentschaft der Niederlande zum ersten Mal eine standesgemässe Position innerhalb des habsburgischen Machtgefüges zugängig. Die geplante Hochzeit Ernsts mit Philipps Tochter, der Infantin Isabella Clara Eugenia, sollte die Vormachtsposition der Habsburger in den kriegszerrütteten Niederlanden zusätzlich stärken. Doch bereits Anfang des Jahres 1595 verstarb der Erzherzog plötzlich, ohne politische Erfolge in den Niederlanden verzeichnet haben zu können. Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit der im Umfeld des Erzherzogs entstandenen visuellen und materiellen Kultur, die, so die These, gleichermassen der Repräsentation und der Bildung politischer und dynastischer Identitäten diente.

Im Rahmen des Forschungsprojekts werden unterschiedliche Orte und Medien performativer und visueller Künste identifiziert. Es stehen zuerst die Triumpheinzüge des Erzherzogs in Brüssel (Januar 1594) und Antwerpen (Juni 1594) und die danach entstandenen Festbücher mit ihren Stichserien im Zentrum der Untersuchung. Sie werden in den Forschungszusammenhang der Niederländischen städtischen Zeremonie, der Blijde Inkomst, eingeordnet, ein Forschungsfeld, das in den letzten Jahren zahlreiche Veröffentlichungen zu verzeichnen hatte. Ein weiteres Untersuchungsfeld stellt die erzherzogliche Sammlung im Brüsseler Coudenberg Palast dar. Anhand des Kassabuchs des Privatsekretärs und des bisher unpublizierten Nachlassinventars von 1595 soll hinterfragt werden, wie sich Ernsts (Kunst-)Sammlung beschreiben und bewerten lässt und wie diese im Zusammenhang des gesamt-habsburgischen Sammelns in Kunst- und Wunderkammern (wie in Madrid, Ambras und Prag) zu sehen ist. Zuletzt wird der Frage nachgegangen, was die Intentionen des Bruders und Nachfolgers Erzherzog Albrecht VII. von Österreich waren, Ernst 1600/01 ein Grabmonument in der Brüsseler Kathedrale zu stiften.

Für das Projekt werden aktuelle Methoden aus den Bereichen der Kunstgeschichte, Historiographie, Sozialgeschichte und Religionsgeschichte frucht- und anwendbar gemacht werden. Ziel ist, am Beispiel von Erzherzog Ernst einen aktuellen und neuen Blick auf die (Kunst-)Geschichte der Spanischen Niederlande der 1590er Jahre zu wagen.