Sites of mediation

Imaginationen des Wassers: Das Maritime in Antwerpener Stillleben

Dissertationsprojekt von Stefanie Wyssenbach, M.A.

Teilprojekt im Forschungsmodul 3
Site of Intellection – das Meer. Erfahrung,
Wahrnehmung und Repräsentation um 1600

Betreuung: Prof. Dr. Christine Göttler

Vorrangiges Ziel meines Dissertationsprojektes ist, eine fokussierte Studie zu maritimen Stillleben im Antwerpen des 17. Jahrhunderts zu erarbeiten. Das Maritime wird dabei in breiter Weise als ein Begriff definiert, der das Meer, die Schifffahrt und den Handel umfasst. Die Gemälde zeigen daher von Ausblicken auf Häfen oder eine stürmische See, über Objekte, die gehandelt, gesammelt und konsumiert wurden, bis hin zu Globen oder nautischen Instrumenten die unterschiedlichsten, mit dem Maritimen verknüpften Elemente.

Besonders interessiert bin ich an den visuell-historischen Verbindungen zwischen dem Meer – hier schliesse ich ebenfalls den schiffbaren Fluss Schelde ein – und Antwerpen als urbanem Zentrum. Die Dissertation soll die maritimen Stillleben daher nicht nur als Darstellungen eines natürlichen Reichtums begreifen, sondern auch als Bilder, die dezidiert von Objekten sprechen, welche über und mithilfe des Wassers gehandelt, getauscht und gesammelt wurden. Die zumeist in privaten Haushalten aufbewahrten Gemälde sollen ebenfalls in ihrem Verhältnis zur Stadt und der materiellen Kultur ‚draussen‘ untersucht werden. Fragen nach der Interpretation und Wertschätzung der Bilder, aber auch nach der Aneignung der Werke und den gezeigten Objekten sind hier zentral.

Die maritimen Stillleben werden dabei nicht nur als Objekte verstanden, die bestimmte Handels- und Sammlungsinteressen bedienten, sondern auch spezifische Formen des städtischen Wissens ansprachen und verbildlichten. Dieses Wissen beinhaltete sowohl geographische Kenntnisse als auch Wissen über neu entdeckte Nahrungsmittel, exotische Tiere oder kunsthandwerkliche Fertigkeiten. In der Dissertation soll dieser Aspekt nicht nur in Bezug auf die urbane Elite als Sammler und Mäzene der Kunst, sondern auch mit Blick auf den Künstler als Beobachter und Schöpfer der Gemälde in den Fokus gerückt werden.

Zur Analyse der Gemälde von Künstlern wie Jan Davidsz. de Heem, Carstian Luyckx oder Peeter Boel in diesem interdisziplinären Projekt werden unterschiedliche Konzepte und theoretische Zugänge herangezogen. Von besonderer Bedeutung für meine Arbeit sind neben kunsthistorischen Theorien der Ikonographie oder Rezeptionsästhetik auch die auf eine multiperspektivische und transnationale Sicht ausgelegte histoire croisée sowie die Idee von trading zones im Sinne Peter Galisons.