Sites of mediation

Von der Lagune zum Goldenen Horn. Waren, Akteure, Handlungsspielräume zwischen Venedig und Konstantinopel (1400-1500)

Dissertationsprojekt von Benedikt Bego-Ghina, M.A.

Teilprojekt im Forschungsmodul 4
«Entangled World» – Venedig, das Osmanische Reich
und Byzanz in der Renaissance


Die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahre 1453 wurde von Zeitgenossen als einschneidendes geschichtliches Ereignis angesehen. Eine Einschätzung, die von nachfolgenden Generationen in der europäischen Geschichtsschreibung übernommen wurde. Dem christlichen Europa, das sich in der Renaissance als Wiederentdecker antiken Wissens im christlichen Gewand neu erfindet, wurde das Osmanische Reich dabei als Feindbild entgegengesetzt.

Dieses Narrativ eines Ost-West Gegensatzes soll in der Dissertation anhand der Seerepublik Venedig überprüft werden, die aufgrund ihrer ökonomischen Interessen und über sämtliche politische Wechsellagen des 15. Jahrhunderts hinweg, zahlreiche Verbindungen in das östliche Mittelmeer pflegte. Ihm sollen die Erfahrungen und Perspektiven von Akteuren entgegengesetzt werden, die sich aus verschiedenen Motivationen, etwa als Beamte, Händler, Botschafter oder Reisende zwischen der Lagunenstadt und dem Goldenen Horn mit großer Selbstverständlichkeit bewegten. Welcher Handlungsspielraum sich den Akteuren innerhalb der ökonomischen, sozialen, politischen und kulturellen Beziehungen bot und wie dieser von ihnen selbst immer wieder neu ausgehandelt wurde, soll untersucht werden.

Venedigs Engagement im nordöstlichen Mittelmeer während des 15. Jahrhunderts, das sich nicht allein auf Konstantinopel beschränkte, sondern auch die griechischen Inseln und die Handelsstützpunkte am Schwarzen Meer umfasste, brachte die Seerepublik in engen Kontakt mit dem Byzantinischen beziehungsweise dem Osmanischen Reich. Venezianische Interessen und Politik standen den byzantinischen oder osmanischen nicht einfach komplementär gegenüber, sondern waren mit ihnen eng verflochten, was exemplarisch anhand von ausgewählten Akteuren zu zeigen ist.

Als Quellen sollen für das Projekt die venezianische Diaristik und Chronistik, das offizielle Schriftgut der Repräsentanten der Seerepublik am Hof in Konstantinopel untersucht werden. Darüber hinaus soll ein repräsentatives und aussagekräftiges Sample venezianischer Bürger erstellt werden, die ein Leben zwischen Ost und West führten und dieses anhand persönlicher Schriftstücke mit Hilfe mikrohistorischer Ansätze untersucht werden. Möglicherweise lässt sich diese Zusammenstellung um Bürger anderer italienischer Städte mit ähnlichen Hintergründen erweitern. Ihre konkreten Erfahrungen in dieser transkulturellen Umgebung und ihr davon abhängiges Verhalten in der Levante wie nach ihrer Rückkehr in die Heimat, sollen dabei im Mittelpunkt der Forschung stehen.