Sites of mediation

Madagascar. Globale Geschichte in van Dycks Porträts

Dissertationsprojekt von Jennifer Rabe, M.A.

Teilprojekt im Forschungsmodul 2
«Erfinder neuer Dinge» – Zur Verflechtungsgeschichte
der Künste in Antwerpen um 1600

 

Das um 1639 entstandene «Madagaskar-Porträt» des Earl of Arundel und seiner Frau Alethea Talbot ist von Ernest Gilman als ein regelrechtes Werbebild für die geplante Errichtung einer Kolonie auf der Insel vor dem afrikanischen Kontinent verstanden worden, in welchem die vom Earl geförderte Antikenforschung als Wiederaneignung der Vergangenheit mit dem Projekt der Eroberung fremder Länder untrennbar verbunden erscheint. Eine solche Verbindung zwischen altem und neuem Wissen, antiquarischer Gelehrsamkeit und modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Entdeckungen ist vielfach als charakteristisch für die Zeit der «Nova Reperta» angesehen worden. Zugleich lässt sich das Porträt als Instrument und Zeugnis einer komplexen Selbststilisierung verstehen, durch welche sich das Paar im Geflecht zeitgenössischer Diskurse um Weltbilder, Astronomie und Astrologie verortet.

Das Dissertationsprojekt untersucht das Gemälde im Kontext zeitgenössischer visueller und literarischer Quellen (Kunstliteratur, Handbücher für Männer und Frauen, Alba amicorum, Reiseliteratur, Emblembücher, alchemistische, astronomische Drucke und weitere Quellen). Unter Berücksichtigung von Selbst- und Fremdzeugnissen werden Zusammenhänge zwischen der vieldiskutierten Melancholie des Earls, seinen Netzwerken, Sammlungen und wissenschaftlichen Interessen sowie dem Projekt einer Siedlung auf Madagaskar untersucht. Mögliche Parallelen einer solchen Weltaneignung zu Diskursen der Malerei und insbesondere der Porträtmalerei sollen aufgezeigt werden. Über die dargestellte Kleidung, Stoffe und Objekte wird auch der Frage nach der Beziehung der bildenden Kunst zur materiellen Kultur der Zeit nachgegangen.